Bei der Information von Urlaubern neue Wege gehen: Workshop der Freien Wähler FRG

„Der Tourismus in der Region“ war das Thema des dritten Workshop des Freie Wähler Kreisverbandes Freyung-Grafenau im Hans-Eisenmann-Haus in Neuschönau. Erster Vorsitzender und MdL Alexander Muthmann hat dazu drei Referenten eingeladen, die das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet haben, und zwar Dr. Franz Leibl, Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, Bernhard Hain, Tourismusreferent des Landkreises FRG, sowie Stefan Huber, Geschäftsführer der Firma hubermedia in Lam.
Franz Leibl sprach bei seinem Impulsreferat die Bedeutung des Nationalparks Bayerischer Wald für den Tourismus im Landkreis an. „Im Nationalpark verzeichnen wir jährlich 1,3 Millionen Besucher, im Schloss Neuschwanstein sind es 1,5 Millionen“, so Leibl. Neuschwanstein werde als Besuchermagnet ganz selbstverständlich akzeptiert, der Nationalpark werde - was seine Bedeutung für den Tourismus betrifft – vor allem außerhalb der Region oft immer wieder in Frage gestellt. Dabei würden Zahlen das Gegenteil belegen: „Über die Hälfte der Besucher erklärten in einer Umfrage, dass die Existenz des Nationalparks für ihre Wahl des Urlaubsortes eine große oder sehr große Rolle gespielt habe“, so Leibl. Das heiße konkret, dass ohne den Nationalpark die Hälfte der Touristen nicht da wäre. Doch nicht nur bei Urlaubern, auch bei Einheimischen spiele der Nationalpark mittlerweile eine große Rolle. „77 Prozent der Einheimischen sind der Meinung, dass der Nationalpark auch einen wirtschaftlichen Mehrwert für die Region darstellt“, so Leibl, der in diesem Zusammenhang auch auf auf die Bedeutung des Nationalparks für den ÖPNV verwies. „Der Erhalt der Waldbahn wäre ohne den Nationalpark nicht gelungen.“ Auch das Igelbussystem oder das Bayerwald-Ticket „Guti“ seien ganz wesentliche Angebote, die in der Verbindung mit dem Nationalpark entstanden seien. Um die Attraktivität des Nationalparks weiter zu steigern, sei einer der nächsten Planungsschritte die Schaffung der Barrierefreiheit der Besucherzentren Hans-Eisenmann-Haus und Haus zur Wildnis, aber auch der Tierfreigelände. „Dies ist ein Punkt, der unter dem Gesichtspunkt ,Nationalpark für alle` umgesetzt werden soll.“ Abschließend verwies Leibl noch darauf, dass die derzeit bestehende Nationalpark-Debatte ausschließlich unter betriebs- oder volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten in Bezug auf die Forstwirtschaft geführt werde. „Aber auch Umweltschutz, Artenvielfalt und Biodiversität stellen einen ideellen Wert dar, und dies muss man in dieser Diskussion immer mal wieder betonen.“
Einen Blick auf statistische Zahlen warf Bernhard Hain, Tourismusreferent im Landkreis FRG. „Bei den Übernachtungszahlen werden erst Häuser, die mehr als neun Betten haben, registriert“, so Hain. „Ein erheblicher Teil wird also gar nicht gezählt.“ Im internationalen Vergleich „verkauft man sich dazu unter Wert“. Hain erklärte, dass er sein Amt als Tourismusreferent angetreten habe mit dem Ziel, die Strukturverbesserung der bestehenden Tourismusbüros voranzutreiben. Ein Beispiel gelungener Professionalisierung sei der Hochschwarzwald. „Ein solcher Prozess kann aber nur gelingen, wenn möglichst alle Gemeinden entsprechend mitwirken.“ Im Bereich der Vermarktung sollen auch die Themen Kunst und regionale Produkte verstärkt werden. Hain verwies aber auch auf die touristische Wirtschaftsförderung. Zu dieser Qualitätsoffensive, die unter bestimmten Voraussetzungen übrigens auch für kleinere gewerbliche Tourismusobjekte gelte, sollte die derzeitige Förderperiode noch genutzt werden, so der Tourismusreferent.
Besonders wichtig und spannend war für die Teilnehmer des Workshops der Vortrag von Stefan Huber, Geschäftsführer der Firma hubermedia in Lam. Erhebungen hätten laut Huber ergeben, dass ungefähr 90 Prozent der Gäste, wenn sie einmal vor Ort sind, keine weiteren Infos mehr erhalten. „Auch die Frequentierung der Touristinfos ist häufig bescheiden, viele Urlauber gehen da nicht mehr hin. Da wird klar, dass dies keine effiziente Nutzung ist.“ Das Unternehmen von Stefan Huber bietet eine Alternative mit der Erstellung von digitalen Gästeinformationslösungen. Diese können nicht nur in den Touristinfos, sondern auch an vielfrequentierten öffentlichen Plätzen, wie Kurpromenaden oder Marktplätzen, zur Verfügung gestellt werden. „Voraussetzung dafür ist nur, dass die vielfältigen vorhandenen Angebote und Daten über Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten aller Art zur Verfügung gestellt werden“, so Huber. Diese Daten werden dann individualisiert aufbereitet. Wenn ein solches Infoportal zum Beispiel an einer Langlaufloipe steht, werden zuerst Wander- und Skiangebote gebracht. Befindet es sich in einer Therme, erscheinen erst Wellnessangebote. „Jede Gemeinde kann dieses Infoportal an mehreren Orten zur Verfügung stellen.“ Die technischen Voraussetzungen seien überschaubar, dadurch sei dieses Modell ein wichtiges Angebot, um die Professionalisierung, die Qualität und die Auskunftsdichte im Bereich Gästeinformation voranzubringen.“ Nicht nur bei Touristinfos, sondern auch an weiteren Infostellen könne man die Information des Urlaubsgastes schlagartig und mit einfachen Mitteln erhöhen. „Auch alle privaten Hoteliers können sich an dieses Infonetz anschließen und ihre hauseigenen Informationen zunächst in den Vordergrund stellen, aber dann auch weitere Informationen anbieten“, so Huber.
Am Ende waren sich die Freien Wähler rund um Alexander Muthmann und Martin Behringer, Vorsitzender der Freien Wähler Grafenauer Land, einig, dass diese von Stefan Huber vorgestellte Art der Gästeinformation auch im Kreistag sowie in einer Bürgermeisterdienstversammlung vorgestellt werden sollte. „Wir werden einen entsprechenden Antrag dazu stellen“, erklärte Muthmann, der sich bei den Teilnehmern für ihr Interesse und vor allem auch bei den drei Referenten für die zahlreichen Infos bedankte.