Grundschule Grafenau: Für Erhalt der gebundenen Ganztagsklasse sind flexible Lösungen nötig

Dass es aufgrund der sinkenden Schülerzahlen von Jahr zu Jahr schwieriger wird, eine gebundene Ganztagsklasse anzubieten, erklärten Christine Weiß, die Rektorin der Grundschule Grafenau, und ihre Stellvertreterin Alexandra Bauer MdL Alexander Muthmann bei einem Besuch. Dies sei jedoch nicht der einzige Grund. „Aufgrund des hohen Anteils an Kindern aus Asylbewerberfamilien und Kindern mit schwierigem sozialen Umfeld werden die Ganztagesklassen inzwischen von normalen Familien gemieden“, erklärte Christine Weiß. Für den guten Ruf dieses Modells sei die derzeitige Entwicklung derart negativ, dass die Schulleiterinnen überlegen, die gebundene Ganztagesklasse aufzugeben - es sei denn, strukturelle Veränderungen wären möglich. Eine entsprechende Alternativlösung hat Weiß bereits erarbeitet. „Auf einer Fortbildungsfahrt nach Baden-Württemberg erfuhr ich von dem Konzept einer teilgebundenen Ganztagesklasse“, so Weiß. Dabei werden die Schüler einer Jahrgangsstufe in annähernd gleich große Parallelklassen aufgeteilt. „Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund oder speziellem Förderbedarf wird ebenso gleichmäßig auf beide Klassen verteilt wie die Kinder, die die Ganztagesklasse besuchen.“ Nachmittags werden die Schüler, die die gebundene Ganztagesklasse besuchen, dann aus beiden Klassen zusammengeführt. Laut Weiß habe dies viele Vorteile. „Gut und schwach begabte Kinder sind auf beide Klassen gleichmäßig verteilt. Und es gibt keine Zweiklassengesellschaft.“ Außerdem wäre die Organisation nach diesem Muster kostenneutral, so die Rektorin. Mit diesem Vorschlag habe sie sich bereits an Staatssekretär Bernd Sibler gewandt, allerdings ein ablehnendes Schreiben erhalten. Das Kultusministerium wolle derzeit keine Eingriffe in das Schulsystem vornehmen oder Modellprojekte starten, hieß es darin. Mit dieser Aussage will sich Christine Weiß jedoch nicht zufrieden geben. „Es wäre dringend notwendig, uns Schulleiter, die vor Ort brenzlige Situationen vorfinden, mit flexiblen Lösungen zu unterstützen.“ Muthmann hat sich daher an Staatssekretär Sibler gewandt. „Gerade unsere Schulstandorte im ländlichen Raum stehen oft vor großen Herausforderungen“, so Muthmann. Damit diese gemeistert werden können, seien Lösungen nötig. „Die Herangehensweise des Kultusministeriums, dezentral erarbeitete, innovative Ideen zur Attraktivitäts- und Qualitätssicherung des schulischen Angebots mit dem Verweis auf politisches Abwarten abzulehnen, erscheint mir nicht besonders sinnvoll.“ Gerade die Bedeutung der Ganztagsbeschulung nehme ständig zu. „Daher ist es notwendig, ein entsprechendes Angebot flächendeckend zu sichern.“