Freie Schulwahl − trotz Handicaps - Veranstaltung zur schulischen Inklusion


Projekt „Inklusion“ kann die schulische Landschaft verändern – MdL Günther Felbinger referierte in Ringelai

Egal ob mit oder ohne Handicap − nach dem Grundgedanken der Inklusion sollen auch behinderte Schüler die Möglichkeit haben, bei entsprechender Qualifizierung ohne Probleme an eine Regelschule zu wechseln.

MdL Alexander Muthmann (rechts) als Gastgeber dankte seinem Kollegen Günther Felbinger mit einer Figur. Fotos: Norbert Peter

Angenommen, ein behindertes Mädchen möchte gern von der Förderschule in eine Regelschule wechseln, da ihre gleichaltrige Freundin dort unterrichtet wird. Unmöglich? - Nein, denn Bildungspolitiker aller im Bayerischen Landtag vertretenen Fraktionen haben einen gemeinsamen Gesetzentwurf zur Inklusion an Schulen vorgelegt.

Bereits ab dem kommenden Schuljahr sollen Eltern von Kindern mit Behinderung selbst darüber entscheiden können, an welchen Schulen sie ihre Kinder unterrichten lassen möchten.

Da dieser wegweisende Schritt aber auch pädagogische, organisatorische und finanzielle Fragen aufwirft, hatte Landtagsabgeordneter Alexander Muthmann die Bürgermeister, Schulleiter, Pädagogen, zu einer Veranstaltung in das Landhotel Koller geladen und mit Landtagsabgeordneten Günther Felbinger als Mitglied der interfraktionellen Arbeitsgruppe „Inklusion" im Landtag einen Experten zu Gast.

Gesellschaft muss sich dem Kind anpassen

„Unter schulischer Integration versteht man in der Regel die  Eingliederung von Schülern mit einer Behinderung oder speziellen Förderbedürfnissen in die allgemeine Schule. Dies ist möglich, wenn sich der behinderte Schüler in die Bedingungen der allgemeinen Schule eingliedern kann. Inklusion verfolgt dagegen einen systematischen Ansatz", erklärte der Referent. Sie verfolge einen gesellschaftlichen Wandel durch Veränderungen in den Strukturen und in den „Köpfen", die Gesellschaft muss sich dem Kind anpassen. Inklusive Pädagogik ermöglicht gemeinsames Leben und Lernen ohne Unterscheidungen zu treffen.

Rechtsanspruch auf freie Schulwahl für Eltern von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Ausbau der mobilen sonderpädagogischen Dienste sind erforderlich, das Lehramtsstudium muss den sonderpädagogischen Bestandteil einschließen und dementsprechend angepasst werden. An den Schulen soll die Barrierefreiheit bei Aus-, Um- und Neubauten berücksichtigt werden bei einer Bereitstellung entsprechender finanzieller Ressourcen für die Umsetzung der Konvention. Die Inklusion umfasst alle Schularten und Bildungsbereiche, Freistaat und Kommunen sind für die Umsetzung in besonderer Weise gefordert.

Die interfraktionelle Arbeitsgruppe „Inklusion" im Bayerischen Landtag hat die Staatsregierung aufgefordert, dem Landtag bis zur Sommerpause 2010 unter Berücksichtigung der Grundsätze ein Konzept zur Umsetzung eines inklusiven Bildungssystems im Sinne der UN-Behindertenrechtekonvention vorzulegen sowie ein Konzept zu erarbeiten, wie Lehrkräfte an allgemeinen Schulen im Rahmen der Lehrerbildung und Lehrerfortbildung verstärkt sonderpädagogische Kompetenzen erwerben können, die diese zum inklusiven Unterrichten befähigen.

Neu ist der grundsätzlich gleichberechtigte Zugang zu allen Schulen und Schularten vor Ort, hierzu müssen die Voraussetzungen der jeweiligen Schulart erfüllt sein. Davon kann nur abgesehen werden, wenn die Entwicklung des Kindes gefährdet ist, die Rechte von Mitgliedern der Schulgemeinschaft erheblich beeinträchtigt werden, der Schulaufwandsträger wegen erheblicher Mehraufwendungen nicht zustimmt, die bisherige Voraussetzung „aktive Teilnahme" entfällt.

„Vorrangiges Ziel der Schulentwicklung aller Schulen ist die inklusive Schule", betonte Felbinger. Das bedeutet: „Eine besondere Beachtung der erweiterten Heterogenität und Würdigung der Vielfalt aller Schüler, bestmögliche Förderung von einzelnen Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Sprengelschule, Realisierung gemeinsames Lernen in Gruppen- und Klassenstrukturen, Entwicklung der gesamte Schulen als Lern- und Lebensraum für alle Kinder und Jugendlichen mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf. Aufgabe ist es, Schüler mit unterschiedlichen Begabungen, Lernvoraussetzungen und mit verschiedener Sozialisation in der Organisation und Gestaltung von Lernprozessen zu unterstützen.

Bayernweit geplant: 30 Inklusion-Schulen  Für das kommende Schuljahr sollen in einem ersten Schritt bayernweit 30 Schulen mit diesem Inklusion-Profil eingerichtet werden.

Dabei ist folgende Verteilung vorgesehen:
Regierungsbezirk Oberbayern neun Schulen,
Regierungsbezirk Schwaben sechs Schulen,
übrige Regierungsbezirke je drei Schulen.

Schulen mit dem Schulprofil Inklusion erhalten zusätzliche Personalzuweisungen, dafür stehen 20 Planstellen für Lehrkräfte für Sonderpädagogik und zehn Planstellen für Lehrkräfte Grundschule und Hauptschule zur Verfügung.

Fragen in der Runde: In der Diskussionsrunde wollten natürlich die Bürgermeister wissen, wer erforderliche Aufwendungen bezahlt. Kommt ein Kind von der Förderschule an die Regelschule, sind meist besondere Ausstattungen erforderlich. Hier konnte Günther Felbinger nur darauf verweisen, dass es sich bei der Inklusion nicht um ein neues Gesetz handelt, sondern nur um eine Ergänzung. Der Staat muss daher keine Förderungen leisten.

Wenn nun in einen Schulsprengel mit mehreren Grundschulen mehrere Kinder aus Förderschulen überwechseln, gilt dann auch die Aufnahmeregel, wollte ein Bürgermeister wissen. Felbinger meinte, „die Inklusion ist sicherlich ein jahrelanger Prozess und es wird kein Boom auf diesem Gebiet erwartet". Wer ist für die Aufnahme eines behinderten Kindes zuständig? Felbinger: „Der Schulleiter der aufnehmenden Schule".   Bürgermeister Max Köberl dankte abschließend, wie auch Alexander Muthmann seinem FW-Landtagskollegen Günther Felbinger, mit einem „guten Tropfen" und einer Figur aus der Metalltechnik Wagner.

Berichterstattung PNP vom 19.05. / Norbert Peter