Fachkräftemangel und EU-Förderung Thema beim Besuch der Handwerkskammer

Zahlreiche Anregungen und Wünsche haben Toni Hinterdobler, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, sein Stellvertreter Jürgen Kilger sowie Vizepräsident Richard Hettmann dem Landtagsabgeordneten Alexander Muthmann mit auf den Weg nach München gegeben. Vor allem in den Bereichen Infrastruktur und Bildung drücke die Handwerkskammer immer wieder der Schuh. „Wir haben 37 500 Handwerksbetriebe in Niederbayern und ein großes Fachkräfteproblem“, erklärte Richard Hettmann. Dem entgegen wirken wolle man unter anderem mit einer Berufsorientierung an Gymnasien. „An Mittel- und Realschulen ist eine Berufsorientierung verpflichtend, an Gymnasien nicht.“ Die Handwerkskammer wolle aber auch an Gymnasien darüber informieren, dass ein Handwerksberuf Zukunft habe und dort Schulabgänger, die nicht studieren wollen, für eine Ausbildung begeistern. „Es wäre uns sehr geholfen, wenn wir hier von Seiten der Politik Unterstützung erhalten würden in Form einer Empfehlung an die Schulen, diese Möglichkeit auch zu nutzen“, so Hettmann. Muthmann erklärte, dass er für diese Forderung große Sympathie hege und diese auch gerne unterstützen werde. Ein weiterer Punkt, der den Handwerksbetrieben immer mehr zu schaffen mache, sei das schlecht ausgebaute mobile Netz. Ein schneller Datenaustausch auf der Baustelle sei oft gar nicht möglich. Ähnlich sehe es beim Breitbandausbau aus, „hier haben wir einen großen Nachholbedarf“, so Toni Hinterdobler. Als positiv bewerteten die Vertreter der Handwerkskammer den Digitalbonus. Allerdings hätten die Handwerksbetriebe in Niederbayern aufgrund der guten Auftragslage derzeit kaum Kapazitäten, um in diesem Bereich tätig zu werden. Laut Muthmann stünden in diesem Bereich ausreichend Mittel zur Verfügung. „Insgesamt sind es für 2017 20,7 Millionen Euro. Ausbezahlt wurden erst 2,3 Millionen Euro an Zuschüssen.“
Ein weiteres Thema, das „uns derzeit auf den Nägeln brennt“, so Jürgen Kilger, ist die Regionalförderung. „Ab 2020 gelten neue Regeln, aufgrund des Brexits gibt es weniger Fördergelder, die verteilt werden können.“ Nach den derzeitigen Signalen aus Brüssel müsse auch Bayern mit Einbußen rechnen. „Es wird schwierig werden, für Teile Bayerns Fördergelder zu sichern, vor allem dann, wenn auch Tschechien abgestuft wird“, so Muthmann. Man müsse einen Plan B bereithalten und auf Innovation und grenzüberschreitende Projekte setzen. Laut Jürgen Kilger fehle hierfür derzeit ein kooperatives Programm für solche Fördermöglichkeiten. „Wir haben auf mehreren Schienen versucht, unsere Nachbarn zu motivieren und uns innovativ aufzustellen.“ Bis jetzt ohne Erfolg. Muthmann erklärte, dass auch auf der Seite des Freistaates die Bereitschaft bisher lange gefehlt habe, den Weg in die Europaregion kraftvoll zu unterstützen. „Sicherlich steigt der Handlungsdruck, wenn ansonsten keine Fördergelder aus Brüssel mehr nach Bayern fließen sollten.“ Letztendlich werde über die Fördergelder in Brüssel entschieden. Wenn es um das Thema Landesentwicklung geht, versprach Muthmann, sich weiterhin für eine Stärkung der regionalen Wirtschaft und des ländlichen Raums einzusetzen. Eine Aussage, die Toni Hinterdobler freute. „Dies entspricht ganz unserem Motto, dezentrale Zentren auszuwählen und zu stärken.“ Auch Jürgen Kilger stimmte dem zu. „Wir brauchen gleichwertige Lebensbedingungen auch für Handwerksbetriebe, sonst wandern diese in andere Regionen ab.“