Mit AELF-Chef Christian Loibl über die Zukunft der Landwirtschaft in Niederbayern diskutiert

In welche Richtung soll sich die Landwirtschaft in Niederbayern entwickeln? Über diese Frage diskutieren MdL Alexander Muthmann und MdB Nicole Bauer mit Christian Loibl, dem Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Regen. „Das ist eine spannende Frage“, sagte Loibl. „Über 70 Prozent unserer 3012 landwirtschaftlichen Betriebe arbeiten im Nebenerwerb, überwiegend betreiben sie Milchviehhaltung.“ Angesichts der derzeitigen Diskussion, die Anbindehaltung eventuell über den Handel zu verbieten, seien viele Landwirte verunsichert, gerade wenn es um die Hofübergabe geht. „Positiv ist, dass viele junge Menschen bereit sind, einen Hof zu übernehmen“, so Loibl. Dies heiße aber nicht, dass sie bei der Milchviehhaltung bleiben. „Es gibt Landwirte, die ihren Milchviehbetrieb ausbauen und weg vom Familienbetrieb zum Lohnarbeitsbetrieb gehen.“ Aber auch Alternativen seien gefragt, wie Mutterkuhhaltung, Kalbinnen-Aufzucht, die Umwandlung zu Biohof, Urlaub auf dem Bauernhof bzw andere Möglichkeiten der Diversifizierung. „Wichtig ist, die Betriebe beim Umstieg zu begleiten“, so Loibl. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bietet neben einer Individualberatung immer wieder Lehrfahrten sowie Infoveranstaltungen an, auch zum Thema „Kostengünstige Umbaumaßnahmen“. Muthmann erklärte, dass es aus den Erfahrungen, die man in den vergangenen Jahren insbesondere bei der Milchpreisentwicklung gemacht hat, doch gelingen müsste, die Marktmacht der Landwirte zu verbessern – „beispielsweise auch durch ein gemeinsames Auftreten oder durch Kooperationen“. Laut Loibl könne dies insbesondere dadurch gelingen, Nischen zu bedienen. Besondere Produkte würden bessere Preise erzielen. „Bio und Regionalität sind Trend.“ Viele Landwirte könne man dafür begeistern, allerdings sei eine Initialzündung nötig. „Wir brauchen einen Qualitätsstempel für unsere Region – es muss uns gelingen unsere schöne und lebenswerte Region besser zu vermarkten - hinter dem eine Zusammenarbeit aller Bereiche steht, angefangen von der Landwirtschaft über die Gastronomie und die Gewerbetreibenden bis hin zu den Verbrauchern.“ Laut Loibl könnte die Politik die Aufgabe übernehmen, einen solchen „Masterplan“ zu koordinieren. Muthmann erklärte, dass es sicherlich hilfreich wäre, wenn auch die Landwirte in dieser Debatte einen verstärkten Beitrag leisten würden. Was nach Ansicht von Loibl darüber hinaus notwendig sei, ist die Verstärkung der Aufklärungsarbeit für Verbraucher. „Es ist erschreckend, was junge Menschen für Wissen über die Landwirtschaft oder allgemein über Naturkreisläufe haben.“ Hier müsse man ansetzen, damit die Verbraucher den Wert der landwirtschaftlichen Produkte höher schätzen. MdL Muthmann und MdB Bauer bedankten sich bei Loibl für das offene Gespräch und versprachen, die Anregungen und Wünsche mit nach München und Berlin zu nehmen.