Portrait von MdL Alexander Muthmann: Ein Dauerläufer als Kämpfer für die Region

Frühstück bei Alexander Muthmann. Der 57-Jährige öffnet gut gelaunt die Haustür. Es ist Dienstag, 8 Uhr. Normalerweise ist Alexander Muthmann unter der Woche in München. Als Abgeordneter vertritt er die Interessen der Grenzregion im Bayerischen Landtag. Aber die Sitzungen sind seit Wochen vorbei. Es ist Sommerpause. „Nur dass diese heuer etwas arbeitsintensiver ausfällt als die Jahre zuvor", sagt Muthmann. Es ist Wahlkampf. Und er will noch einmal in den Landtag und sich dort weiter für die Menschen seiner Heimat einsetzen.
Im Hausgang riecht es nach Kaffee und frischen Semmeln. Neben den schwarzen Halbschuhen stehen Turnschuhe. „Heute hab ich es schon geschafft, eine halbe Stunde zu joggen. Einmal ums Dorf herum." Derzeit ist es eher selten, dass der Marathonläufer Muthmann Zeit für sein Hobby hat. Sein Terminkalender ist voll. Seit drei Wochen fährt er mit seinem Wahlkampf-Bus durch die Landkreise Freyung-Grafenau, Regen und Passau. Sucht den Kontakt zu den Menschen – erlebt dabei auch nette Begegnungen: „So sollte ich in Mauth in einem Frisörsalon die Haare zusammenkehren und durfte in Bodenmais die Bimmelbahn steuern. Hauzenberg und Untergriesbach stehen heute noch auf dem Terminplan. „Ich will vor allem mit den Leuten ins Gespräch kommen und erfahren, wo sie der Schuh drückt.“ Das hat er auch in den vergangenen fünf Jahren als Abgeordneter immer wieder getan. „Nur wenn ich die Probleme vor Ort kenne, kann ich in München Vorschläge einbringen, wie man diese beheben kann."
Zuständig sieht sich Alexander Muthmann nicht nur für seinen Wahlkreis Freyung-Grafenau und Regen, wo er Direktkandidat ist, sondern auch für die Wahlkreise Passau-West und Passau-Ost, zu dem auch der Waldkirchner Bereich gehört. Hier tritt Muthmann als Listenkandidat an. „Aber das wissen manche Wähler nicht.“ Hier muss der Abgeordnete auch immer mal wieder den Stimmzettel erklären: Auf den beiden ersten Plätzen der Niederbayern-Liste der Freien Wähler sind zwei Landshuter Abgeordnete, auf Platz drei kommt Muthmann. „Einfach nur bei den Freien Wählern ein Kreuzchen machen reicht nicht. Nur wenn ich selbst genügend Stimmen erhalte, ist auch gesichert, dass ich mich als einer von uns weiterhin für den Bayerischen Wald und das Passauer Land einsetzen kann.“
Und schon ist Muthmann bei dem Thema, das ihm so am Herzen liegt: Die Förderung des ländlichen Raumes. „Die Menschen hier bei uns in der Grenzregion sollen die gleichen Chancen haben wie die in der Großstadt.“ Dazu gehören eine funktionierende Breitbandversorgung, wohnortnahe Schulen und Betreuungseinrichtungen, die Förderung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen, gut ausgebaute Straßen und eine gute medizinische Versorgung. „Wir Freie Wähler haben in den vergangenen Jahren schon viel in Bewegung gebracht.“ Die Wirtschaftsfördermittel wurden aufgestockt, der Bedarfsplan der Hausärzte hat sich für Freyung-Grafenau und Regen verbessert. Das Breitband-Förderprogramm wurde auf den Weg gebracht und die Studiengebühren abgeschafft. „Aber es gibt noch viel zu tun – und das möchte ich in den nächsten fünf Jahren angehen.“
Denn noch immer hat Muthmann das Gefühl, dass die Probleme und Erwartungen der Menschen im Bayerischen Wald in München nicht wirklich bekannt sind – und oft vielleicht auch nicht ernst genommen werden. „Die Regierungsparteien schauen zu selten an den Rand Bayerns. Oft spielen nur die Ballungsräume eine Rolle. Ich erinnere zum Beispiel an die Vorschläge des Zukunftsrates, oder auch an das jetzt verabschiedete Landesentwicklungsprogramm – da hat unsere Region wenig Unterstützung aus München zu erwarten.“ Zahlreiche gute Vorschläge, die Muthmann mit seinen Kollegen in den vergangenen Jahren zur Stärkung des ländlichen Raums eingebracht hat, wurden von den Regierungsparteien abgelehnt – und nicht nur einmal später als eigene Idee wieder vorgelegt. „Es ist manchmal schwierig. Und oft verstehe ich auch das Abstimmungsverhalten anderer niederbayerischer Abgeordneter nicht.“ Kritik übt Muthmann vor allem an der Regionalpolitik der FDP. „Eine Politik zugunsten der Grenzregion war im Wirtschaftsministerium Fehlanzeige“, so Muthmann. „Ich hoffe sehr, dass die FDP die verdiente Quittung erhält und künftig von den Wählern keine Verantwortung übertragen bekommt.“ Die Freien Wähler würden die Förderung des ländlichen Raums wesentlich besser hinbekommen – „durchaus auch zusammen mit der CSU“.