Parlamentarischer Abend der FREIEN WÄHLER zu Globalen Entwicklungstrends und den Herausforderungen für Bayern


v.l. Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher und MdLAlexander Muthmann

Zukunftsforscher und Globalisierungsgestalter Prof. Dr. Dr. Radermacher sprach vor über 200 Gästen.

München / Die FREIEN WÄHLER haben am Freitagabend zum Parlamentarischen Abend „Globale Entwicklungstrend und Herausforderungen für Bayern“ in den Bayerischen Landtag eingeladen. Alexander Muthmann, MdL und wirtschaftspolitischer Sprecher der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion begrüßte dazu rund 200 Gäste im Senatssaal des Maximilianeum. Der erfreuliche Publikumszuspruch sei ein klares Signal dafür, dass auch wir in Bayern immer wieder über die Zukunft unseres Erdballs nachdenken müssten, um unseren Beitrag zu einer fairen Gesellschaft beitragen zu können, so Muthmann. „Uns alle hat die Globalisierung nachhaltig verändert. Der internationale Handel verbindet Volkswirtschaften auf dem gesamten Erdball. Informationen von der anderen Seite des Globus sind innerhalb eines Augenschlags für uns abrufbar. Wirtschaftliche Krisen, die sich früher auf einzelne Region beschränkten, haben nun unmittelbaren Einfluss auf andere Staaten und die dort lebenden Menschen. Wir alle sind Teil dieses Prozesses und tragen Verantwortung dafür, wie sich unsere Gesellschaft weiter entwickelt. Es lohnt sich also, sich über Chancen und Risiken der Globalisierung Gedanken zu machen.“

Günter Grzega, vormaliger Vorstandssprecher der Sparda-Bank München eG, heute Vorstandsvorsitzender des „Institut für Gemeinwohlorientierte Politikberatung – IGP“ verwies in seiner thematischen Hinführung auf die Aktualität der Thematik. Die globalen Entwicklungen rückten zu leicht aus dem Fokus unseres Alltagslebens heraus. Wir alle könnten eine wirkliche Betroffenheit eben nicht primär über die Medien herstellen, sondern vor allem dann, wenn Probleme und Not in unserem direkten, persönlichen Umfeld anzutreffen seien. „Es reicht eben nicht, immer an den Altruismus der Menschen zu appellieren. Wir brauchen den Einsatz geistiger Fähigkeiten, um einen besseren Weg für unser ‚globales Dorf‘ einzuschlagen. Dabei gelte es auch, inzwischen für uns als selbstverständlich akzeptierte Axiome wie die Gewinnmaximierungsideologie zu hinterfragen.

Als Hauptredner konnten die FREIEN WÄHLER Herrn Prof. Dr. Dr. Radermacher als weithin bekannten Denker und Redner zu diesen Fragen gewinnen. Nachhaltigkeit und Zukunftsentwicklung seien für ihn nicht nur Schlagworte, sondern beinhalten einen ganz konkreten Gestaltungsauftrag an jeden einzelnen: „Wir brauchen ein Umdenken. Wir sind auf Erfolg getrimmt, doch eines muss uns allen klar sein: Dort wo es Gewinner gibt, muss es eben zwangsläufig auch Verlierer geben – sonst wäre der große Erfolg ja gar kein solcher. Es ist ein Problem, wenn ein Großteil der Menschheit das nicht erreichen kann, was wir bereits haben.“ In einem fesselnden Vortrag beleuchtete Prof. Dr. Dr. Radermacher die Kernthemen „Bevölkerung, Ernährung und Finanzen“. Die Bevölkerungsexplosion werde uns vor enorme Probleme stellen, da es eben immer mehr Menschen gebe, die Ressourcen für den angestrebten Wohlstand bei heutiger Technologie aber nicht ausreichten. Dabei gebe es weltweit kein Produktionsproblem für Nahrungsmittel, sondern ein Verteilungs- bzw. Kaufkraftproblem. Um die Umwelt vor einem künftigen Kollaps zu schützen und im Klimabereich Zeit zu gewinnen, bedürfe es jetzt eines Weltaufforstprogramms und eines besseren Grünlandmanagements, um der Atmosphäre im großen Stil CO2 zu entziehen und dieses in Wohlstand in den sich entwickelnden Ländern zu transformieren. Ein „Weiter-so“ könne es nicht geben.
Schließlich sei es auch geboten, ein faires Regulierungswerk im Finanzsektor umzusetzen. Die ungenügende globale Regulierung des Finanzsektors und insbesondere auch die professionelle Ausnutzung der besonderen Möglichkeiten von Steuerparadiesen und Offshore-Center haben zu einer weitgehenden Entkopplung der Gewinne im Finanzsektor von der Realökonomie – teils zu Lasten der Finanzierung dringend benötigter Innovationen – geführt . Das muss dringend geändert werden. Man müsse insbesondere wieder zu einem System zurückfinden, in dem nicht Sicherheiten vergeben würden, die gar keine sind und für deren Ausfall dann schließlich die gesamte Gesellschaft zahlen müsse. Prof. Dr. Dr. Radermacher schloss seine Rede mit der Aufforderung, dass diejenigen, die erfolgreich seien, ihren Erfolg dafür einsetzen müssten, das Richtige zu tun – also Verantwortung zu übernehmen und insbesondere bessere globale Regulierungen im Sinne einer weltweiten Ökosozialen Marktwirtschaft durchzusetzen.

Den Vorträgen schloss sich eine lebhafte Diskussion zu zahlreichen Themen rund um Weltbevölkerung, Ernährung, die Rolle der Verbraucher und die Zukunft einer gemeinsamen Währung im Euroraum an. Das große Interesse an der Thematik und die Begeisterung der Zuhörer waren auch in den nachfolgenden Gesprächen beim Empfang im Steinernen Saal zu spüren!

Literaturhinweis:

Radermacher, F.J., Bert Beyers: Welt mit Zukunft – Die Ökosoziale Perspektive. Murmann Verlag, Hamburg, 2011