Beim Waldumbau auch auf Naturverjüngung setzen! - 5. Gipfelgespräche mit MdL Muthmann

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Gipfelgesprächen 2019 in die Nationalparks Bayerischer Wald und Böhmerwald.

Buchenau im Landkreis Regen. Bei traumhaftem Herbstwetter fanden die 5. Gipfelgespräche statt, zu denen der Freyunger Landtagsabgeordnete Alexander Muthmann am vergangenen Sonntag in die Nationalparks Bayerischer Wald und Böhmerwald eingeladen hatte. „Es ist eine Farbenpracht wie in Kanada“, staunte sein Oberpfälzer Kollege Christoph Skutella, der umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag. Dr. Franz Leibl, Chef der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, sprach auf der Wanderung aktuelle Themen an wie den steigenden Besucherdruck und die Pläne des nationalen Waldgipfels, 800 Millionen Euro für ein groß angelegtes Wiederaufforstungsprogramm in den deutschen Wäldern zur Verfügung zu stellen. Er mahnte, bei allen Aktionen die Naturverjüngung nicht zu vergessen. „Sie ist das Optimum für den Wald. Damit haben wir im Nationalpark die besten Erfahrungen gemacht und von diesen Erkenntnissen kann auch der Wirtschaftswald profitieren“, ist Franz Leibl überzeugt.

Über 20 interessierte Menschen aus München und der Region nahmen an der Wanderung teil, die auf der bayerischen Seite von Buchenau über den Lindbergschachten – eine frühere Waldweide - durch die Waldabteilung „Gruft“ bis zur Hirschbachschwelle führte. Nationalparkchef Dr. Franz Leibl und Ranger Mario Schmid wiesen die Gruppe immer wieder auf Besonderheiten am Weg hin, zum Beispiel auf einen Stamm ohne Wurzeln, der als Ast zwischen zwei Bäumen weiterlebt. Die Nachbarn stützen ihn und versorgen ihn mit Nährstoffen. „Ein kleines Wunder“, so der Kommentar von Franz Leibl. Zusammen mit Ranger Mario Schmid schilderte er die Konsequenzen, die der zunehmende Besucherdruck - 1,3 Millionen Gäste sind es pro Jahr - mit sich bringt. Konflikte entstünden vor allem zwischen Wanderern und Radfahrern; die Ranger spürten den immer raueren Umgangston und versuchten, deeskalierend zu wirken.

Nachdem immer mehr jüngere Menschen den Nationalpark als lohnendes Wanderzielt entdeckten, wolle man an ausgewählten Standorten das Zelten ermöglichen, kündigte Dr. Franz Leibl an. Als Standorte nannte er zum Beispiel das Gelände neben dem Hirschgehege Scheuereck oder beim Waldschmidthaus am Großen Rachel, dem höchsten Berg im Nationalpark Bayerischer Wald, der bei den Gipfelgesprächen 2019 einen grandiosen Anblick bot. Im Waldschmidthaus sollen in absehbarer Zeit auch wieder Übernachtungsmöglichkeiten entstehen, so dass Wanderer über den Kamm des Bayerischen Waldes am Rachel nicht mehr ins Tal absteigen müssen wie es derzeit der Fall ist, kündigte Dr. Leibl als Zukunftsprojekt an.

„Das ist ein richtig wilder Wald“, kommentierten Teilnehmer den Weg zum Grenzübergang 16/14. „Hier ist die Natur der alleinige Gestalter. Der Mensch greift nicht ein“, schilderte Franz Leibl das Motto, das in dem Schutzgebiet herrscht. Er ist überzeugt, dass Klimawandel und Borkenkäfer nicht das Ende der Wälder bedeuten. Die jüngere Baumgeneration passe sich den veränderten Standortbedingungen an. Auch hier gehöre der Jugend die Zukunft.

Auf der tschechischen Seite erwartete Ranger Pavel Nedva die Gruppe aus Bayern. Vom Aussichtstum am 1 315 Meter hohen Polednik (Mittagsberg), in Zeiten des Kaltes Krieges eine Militärstation am Eisernen Vorhang, bot sich ein Rundumblick auf das bayerisch-böhmische Grenzgebirge. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Gipfelgesprächen 2019 begann dann ein kleines Abenteuer: Kaum erkennbare Steige führten hinunter zum Práŝilské jezero, dem Stubenbacher See. Sumpfige Stellen waren zu bewältigen; es galt, über umgestürzte Bäume zu klettern oder unter ihnen durchzukriechen. Das Fazit von Initiator Alexander Muthmann am Ziel in Práŝily, dem früheren Stubenbach: „Der Nationalpark ist ein unerschöpflicher Fundus, aus dem wir für immer neue Naturerlebnisse schöpfen können.“ Deshalb soll es auch im nächsten Herbst wieder Gipfelgespräche geben.